Die große Illusion. Mitteleuropa im Ersten Weltkrieg
Oder: Die Brille des Irrealen

English

Installation – Literatur – Kinematographie – Fotografie

Anlässlich des 100. Jahrestages des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges präsentiert  die Moholy-Nagy Galerie im .CHB eine Ausstellung, die – in Anlehnung an den Film DIE GROSSE ILLUSION von Jean Renoir aus dem Jahr 1937 – die scheinbaren Wahrheiten, Wirklichkeiten und Wunschbilder erkundet, die in Zusammenhang mit diesem historischen Ereignis von weltpolitischer Bedeutung existier(t)en.  
Der zu Beginn naiv als ›Blitzkrieg‹ angekündigte Feldzug wurde durch eine gigantische Selbsttäuschung zu einer großen Illusion: »Wir sind zu Hause bis die ersten Blätter fallen« – der Abschiedssatz der ersten an die Front marschierenden Truppen im August 1914 – klang bereits 1915 absurd.
Die multimediale Ausstellung widmet sich dem Phänomen des Festhaltens an nicht haltbaren Illusionen – beziehungsweise an Illusionen als Folge von Tatsachenverweigerung – wobei es weniger um bereits bekannte historische Tatsachen geht, sondern um die daraus resultierenden gedankengeschichtlichen Phänomene und Traumata beider Nationen – Deutschland, Ungarn - auf dem Feld der Kunst.
Zeitgenössische Künstler aus Ungarn und Deutschland beschäftigen sich in sieben Installationen mit der Aufarbeitung der  allgemeinen Krise des Individuums im zwanzigsten Jahrhundert.  Den zivilisatorischen Schock möchte die Ausstellung in einer Inszenierung des Wurmloch-Effektes visualisieren.
Kuratoren: Vera Baksa Soós, David Szauder

Presseführung: 27.06.14, 11:00 Uhr
Vernissage: 27.06.14, 18:00 Uhr – feierliche Enthüllung des Denkmals und Musik (ab 20:00 Uhr)
Laufzeit: 27. Juni bis 26. Oktober 2014

Begleitveranstaltung:

24.10.14:
18:00 | Künstlerische Präsentation von Ilona Németh (zu besichtigen bis 26.10. während der normalen Öffnungszeiten)
19:00 | Panel: Illusionen der Jahrhundertwende 1900
Mit Dr. Gergely Romsics (NYC, Budapest), Professor Thomas Macho (HU Berlin), Balázs Kovalik (Theaterakademie München) und Professor Herfried Münkler (HU Berlin)
Moderation: Dr. Jennifer Schevardo


Installationen und Künstler:

INSTALLATION Das organische Denkmal des Ersten Weltkrieges

Das organische Denkmal des Ersten Weltkrieges ist ein Raumobjekt, das die Theorie des network researching als Grundlage für die künstlerische Installation nutzt. Basierend auf Fakten, ist es seiner Form nach jedoch organisch artikuliert. Es entwickeln sich ›innere‹ Gänge, d.h. Verbindungen, die die Kontinuität der Geschichte andeuten und gleichzeitig als Wegweiser für die Betrachter fungieren, die dadurch von einem zum anderen Entwicklungspunkt finden.
Die Installation verwendet dabei auch Film- und Videoarbeiten von Gábor Bódy und Szabolcs KissPál: Der experimentelle Kurzfilm Amorous Geography von Szabolcs KissPál behandelt u.a. das traumatische Ereignis des Verlustes von historisch bedeutenden Gebieten für die ungarische Seele. Anhand der Nachbauten von verlorenen Territorien im Budapester Zoo wird diese wehmutsvolle Epoche der ungarischen Geschichte deutlich gemacht. Der Film Wie Jappe und Do Escobar sich (vor dem Großen Krieg) prügelten von Gábor Bódy basiert auf der fast gleichnamigen Novelle von Thomas Mann. Die Idylle der Jahrhundertwende im Spielfilm wird mit dokumentarischem Material aus der Zeit kontrastiert. Der Zwist unter den Freunden endet nach der Schlacht im Pazifismus.
Installation: Dávid Szauder

 


INSTALLATION Krasnaja Recka

201406 Czardash set by PeterKalmar

Foto: Szenenbild zur Dokumentation von Peter Kalmár: It's Show Time Siberia

Theateraufführungen von Kriegsgefangenen in Gefangenenlagern waren im Ersten Weltkrieg weit verbreitet, so auch in einer der gefürchtetsten Regionen - Sibirien. Trotz der widrigen Umstände konnten die Gefangenen sich auch hier kulturell betätigen, beispielsweise musizieren, Theateraufführungen organisieren und Lagerzeitungen schreiben. Tief in Sibirien, im Gefangenenlager von Krasnaja Recka bei Chabarowsk wurde Die Csárdásfürstin bereits 1917 mit großem Erfolg aufgeführt. Imre Kálmáns Operette transportierte die kriegsgeschockten Menschen in eine heile Märchenwelt, wenn auch nur für wenige Minuten.
Die Installation Krasnaja Recka möchte den Kontrast von heiler Theaterwelt und traumatischer Realtität intermedial darstellen, wozu historische Nachbauten und Modelle der Theaterszenerien genutzt werden.
Installation: Oliver Oefelein unter Verwendung von Materialien der Dokumentation von Péter Kalmár: It`s Show Time Siberia


 

INSTALLATION Frieden neu verhandeln

201406 Planspiel breit neu

Foto: Planspielverhandlungen im .CHB, Foto: Kriszta Turna

Im Mai 2014 verhandelten 30 Jugendliche aus ganz Europa ausgewählte Pariser Vorortverträge (Versailles, Saint-Germain, Trianon) in einem Planspiel im .CHB neu. Dabei nahmen die Teilnehmenden jeweils die Position ›des Anderen‹ ein, d.h. Sieger verhandelten aus der Position der Besiegten und umgekehrt.
Zu welchen Entscheidungen sind diese Neuverhandlungen unter Einbeziehung des historischen Wissens von heute gekommen? Wie sähe Europa aus, wenn die Grenzen nochmals neu definiert werden müssten? Unter Nutzung des filmischen Dokumentationsmaterials des Planspiels kann der Ausstellungsbesucher in einer interaktiven Installation gleichfalls die Grenzen verschieben und erleben, mit welchen Argumenten, Perspektiven und Emotionen Europas Jugendliche von heute über diese historischen Ereignisse diskutieren.
Installation: Gáspár Battha

Das Planspiel Frieden neu verhandeln wird gefördert von der Bundeszentrale für politische Bildung und der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung. Partner sind u.a. das British Council, das Institut français, das Italienische Kulturinstitut Berlin sowie EUNIC Berlin. 


 

WEITERE INSTALLATIONEN:

Solitude
Begehbare Installation
Installation: Anna Réka Baktay und Viktória Hitka

Hesitieren – Zögern
Interaktive Mitmach-Installation
Installation: Timea Anita Oravecz

Der Ausflug ins Gebirge
Kinematographische Soundinstallation auf Grundlage eines Textfragments von Franz Kafka, mit einer Freske von Lilla von Puttkamer.
Installation: Mutaboroo, Lilla von Puttkamer

Der verirrte Reiter.
Text-Soundinstallation auf Grundlage eines Gedichtes von Endre Ady
Installation: Pixelnoizz

 

Weitere Informationen zu der Ausstellung finden Sie in Kürze auf der Internetseite www.grosse-illusion.de.

Pressefotos finden Sie hier.
    
Das Projekt wird gefördert durch das Balassi Institut Budapest, die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin, den Ungarischen Nationalen Kulturfonds (NKA) und das Kultusministerium der Slowakischen Republik.