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Februar 2016 | Zu Besuch in Berlin: Réka Bucsi

„Nun habe ich ein Gefühl dafür, worin ich gut bin”
Gespräch mit Réka Bucsi, Regisseurin des Animationsfilms LOVE

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Foto: Réka Bucsi

Die ersten Skizzen waren in Dänemark entstanden, die Weltpremiere fand auf der diesjährigen Berlinale statt: LOVE, der neue Film von Réka Bucsi, wurde in der Sektion Berlinale Shorts vorgestellt. Zwar gewann der portugiesische Film Balada de um Batráquio letztendlich den Goldenen Bären, jedoch ist alleine die Tatsache, dass Réka, die herausragende Hoffnungsträgerin der ungarischen Animationskunst, auch mit ihrem zweiten Film zu den Berliner Filmfestspiele eingeladen wurde, schon ein großer Erfolg. Wir haben die Regisseurin, die während der Berlinale unser Gast im Collegium Hungaricum Berlin war, kurz vor der Preisverleihung gesprochen.

CHB: Ich habe irgendwo gelesen, dein Film würde zeigen, wie die Liebe alles verändern kann…

Réka Bucsi: Ich würde das nicht so sagen. Die Grundidee ist nicht „wenn man sich verliebt, ändert sich alles” – der Film zeigt eher das Gegenteil. Wegen einer Außeneinwirkung ändert sich die Gravitation auf einem entfernten Planeten, der als Schauplatz dient. Durch diese Veränderung treffen die Lebewesen aufeinander und kommen sich näher. Nicht die Liebe beeinflusst alles, sondern umgekehrt: auf Grund der Außeneinwirkung beginnt ein Prozess der Veränderung, der dann zur Entfaltung der Liebe führt. Dieser Prozess im Leben des Planeten ist dem Leben eines Sterns ähnlich: er wird geboren, glüht eine Zeit lang, dann verliert er an Stärke und Gravitation, schrumpft und löst sich schließlich auf.

CHB: Wie viel von deinen eigenen Erfahrungen in Sachen Liebe steckt in diesem Prozess?

RB: Ich habe den Film nicht aufgrund einer persönlichen Liebesgeschichte gemacht, sondern weil ich das Thema hochinteressant finde. Das Phänomen Liebe lassen alle Filmemacher in ihre Geschichten einfließen – aber nur selten habe ich das Gefühl, dass es interessant aufgearbeitet wurde. In den meisten Fällen kann ich mich mit den Liebesgeschichten überhaupt nicht identifizieren. Darum wollte ich eher ein allgemeines Gefühl, ohne Dialoge und konkrete Tatsachen, vermitteln. Ein Bild, dass die Assoziation erweckt: so ist es, verliebt zu sein.
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Bucsi Réka: LOVE

CHB: Wie kam die Bildsprache des Filmes zustande?

RB: Ich habe sie während eines Residenzaufenthaltes in Dänemark entwickelt und diese Arbeit später in Ungarn weitergeführt. Ich habe viel auf Papier gezeichnet, dabei entstanden nach und nach die Formen. Die Bildsprache ist zwar nicht weit entfernt von der des ersten Filmes, die Figuren sind nun vielleicht doch noch einfacher und nehmen einen größeren Raum ein, es gibt sogar eine Kamerabewegung. Nach einer Weile werden die einzelnen Elemente des Planeten verinnerlicht und einige Regel bestimmt: die Berge sehen so und so aus, das Wasser ist so, die Bäume und die Pflanzen so – es entsteht ein allgemeines Bild des Planeten.

CHB: Deine Bildsprache ist ziemlich charakteristisch. Man kann vielleicht sogar behaupten, dass du mit einer visuellen Welt arbeitest, die leicht zu identifizieren ist. Was würdest du als Réka-Bucsi-Stil betrachten?

RB: Ich kann dies noch nicht formulieren, und ich weiß auch nicht, ob es gut wäre. Ich glaube, das Wichtigste bei einem Filmemacher ist, dass er weiß, was er am besten kann. Wir müssen ausnutzen, was wir am besten können: unsere Fähigkeiten. Und das ist ein langer Lernprozess. Was mich betrifft, kann ich dies noch nicht in Worte fassen, aber nach zwei Filmen habe ich nun ein Gefühl, worin ich besser bin, und darauf möchte ich mich konzentrieren.

CHB: Dein erster Film mit dem Titel Symphony no. 42 hatte mit Abspann eine Länge von insgesamt 10 Minuten, LOVE dagegen ist schon 14:30 lang. Wie lang wirst Du noch werden?

RB: Als wir LOVE in Ungarn zur Förderung einreichten, hatte auch dieser Film nur eine Länge von 8 Minuten, daraus sind dann die 14,5 Minuten entstanden … Das ist ziemlich typisch: der Zuschauer braucht Zeit, um begreifen zu können, was auf dem Bild geschieht. Das ist der Grund, wieso dann der Endschnitt immer ein wenig länger wird im Vergleich zu dem, was in der sogenannten Animatic [Anm.: eine Art Vorschau, animiertes Drehbuch] geplant wurde.
In den nächsten Jahren habe ich jedoch nicht vor, einen Langfilm zu drehen, dies wäre noch eine viel zu große Herausforderung. Das Format des Kurzfilms bietet mir noch dazu die Möglichkeit, all die Dinge auszuprobieren, die mich interessieren. Ich bin offen für alles, plane jedoch vorerst nur kleinere Projekte: während eines Residenzaufenthaltes in Wien möchte ich neue Techniken ausprobieren, mit einem französischen Studio planen wir einen Videoclip, ich drehe Teaser für Festivals …
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Bucsi Réka: LOVE

CHB: Du hast in Bezug auf LOVE häufig Haikus erwähnt. Dienten sie als eine Inspiration?

RB: Als ich mit der Entwicklung des Filmes begann, las ich in der Tat Haikus. Das Format an sich, aber auch die konkreten Gedichte haben sehr gut die Richtung festgehalten, aus der ich mich dem Thema Liebe nähern wollte. Ein Haiku besteht aus drei Zeilen, die nicht unbedingt einen Sinn ergeben, dennoch weiß man eindeutig, was sie vermitteln wollen. Und ich habe alles recherchiert, was mit Liebe zu tun hatte, von Wikipedia bis hin zu den TED Talks. Die Kombination von wissenschaftlichen und mystischen Theorien ist sehr interessant – jeder denkt anders darüber, was der Ursprung von Liebe ist, es gibt einige, die sie als eine übernatürliche, transzendentale Kraft ansehen.

CHB: Reicht es dir, während der Berlinale mit einem Wettbewerbsfilm nach Berlin zu kommen oder bist du auch sonst gern in der Stadt?

RB: Ich mag Berlin sehr. Die Stadt erinnert mich an Budapest, was für mich positiv ist. Ich bin nun zum dritten Mal hier. Das erste Mal kam ich wegen der Berlinale, dann zum Pictoplasma Festival. Aber früher hatte ich wenig Zeit, jetzt war es das erste Mal möglich, dass ich mich ein wenig umschauen konnte. Die Stimmung der Stadt gefällt mir sehr und ich kann mich auf jeden Fall mit den jungen Kreuzbergern identifizieren …

CHB: Was erhoffst du dir von der heutigen Preisverleihung?

RB: Ein Animationsfilm hat es nicht leicht in der Kategorie Berlinale Shorts, vor allem in der Gesellschaft von Werken, die sich aktuellen gesellschaftlichen Themen widmen. Für mich ist es bereits eine große Freude, dass ich nach meinem ersten nun mit meinem zweiten Film hier sein darf.

CHB: Réka, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg heute Abend!

Aus dem Ungarischen übersetzt von Orsolya Széher.

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