Abonnieren Sie unseren Newsletter!

März 2016 | Zu Besuch in Berlin: Benedek Totth

Totth Artikel
Foto: Eszter Galambos, Collegium Hungaricum Berlin

Totes Rennen in Leipzig – ein Gespräch mit Benedek Totth

Die Leipziger Buchmesse organisierte in diesem Jahr erstmalig einen internationalen Book Pitch, in dessen Rahmen acht europäische Schriftsteller in fünf Minuten ihren – zumeist – Debütband dem Publikum sowie Verlagen und Lektoren vorstellen konnten. Ungarn wurde von Benedek Totth vertreten, dessen Roman Totes Rennen (ung.: Holtverseny) im letzten Jahr in Ungarn große Erfolge feierte und im Oktober sogar mit dem neugegründeten Preis für den besten Debütband des Literaturfestivals Margó ausgezeichnet wurde. Dániel Kovács befragte ihn am 18. März 2016 noch auf der Buchmesse, kurz nach dem Book Pitch, zu seinen Erlebnissen.

Dániel Kovács: Bist du zufrieden mit deiner Präsentation?

Benedek Totth: Ich würde sagen, ich habe es geschafft. Es ist nicht leicht einzuschätzen, wie sie war, aber den Rückmeldungen nach war sie nicht schlecht. Ich habe es auch genossen, die Pitch-Beiträge waren interessant. Man merkte jedoch auch, dass die Idee des Pitches noch unausgegoren ist und es noch einiges gibt, an dem man feilen könnte. Fast jeder Teilnehmer habt die Regel des Pitches, die fünf Minuten, in denen man sich und sein Buch vorstellen muss, anders verstanden.

DK: Wie lange hast du für die Vorbereitung gebraucht?

BT: Sehr lange. Ich habe den Text vorher schriftlich ausformuliert und gepaukt, wie in der Schule. Man durfte den Zeitrahmen von fünf Minuten nicht sprengen, so musste ich mich wirklich auf die wichtigsten Dinge beschränken: worum geht es im Buch, wie ist der Stil, und einige Informationen zum Autor. Es gibt keine Zeit für Leerlauf.

DK: Gab es einen Kerngedanken, den du in den fünf Minuten unbedingt vermitteln wolltest?

BT: Ich bin von den bisherigen Rückmeldungen zum Buch ausgegangen, die ich durch Rezensionen oder persönlich erhalten hatte. Diese Themen wollte ich ansprechen bzw. den Inhalt in wenigen Sätzen zusammenfassen. Ich erwähnte Schriftsteller, die mich inspiriert haben, und versuchte, bekanntere Namen zu nennen, damit der Roman einfacher einzuordnen ist … Ich sprach gesondert die Frage an, inwieweit Totes Rennen als Jugendroman gelesen werden kann, danach hatten nämlich schon andere ausländische Verlage gefragt. Wie es scheint, können viele nichts damit anfangen, dass ein Text über Jugendliche so hart ist. Dies wollte ich unbedingt klären, um zu vermeiden, dass ich es erneut erklären muss, sollte sich jemand für das Buch interessieren.

DK: Du hast erwähnt, dass das Buch zurzeit in mehrere Sprachen übersetzt wird…

BT: Soweit ich weiß, ist die französische Übersetzung bald fertig und auch die slowakische Ausgabe ist bereits in Arbeit, die nach jetziger Planung Ende des Sommers fertig sein wird und hoffentlich im Herbst erscheinen kann. 

DK: Und auch die Filmrechte wurden erwähnt.

BT: Das Projekt hängt von der Fertigstellung des Drehbuches ab. Das Fördersystem des Ungarischen Filmfonds ist mehrstufig, so müsste das Drehbuch theoretisch bis Ende März fertig sein. Wenn es positiv bewertet wird, folgt die Produktionsvorbereitung, die ihrerseits auch eine langwierige Prozedur bedeutet.

DK: Wahrscheinlich hat auch der Margó-Preis eine Rolle dabei gespielt, dass dein Buch eine weitaus größere Resonanz gefunden hat, als sonst bei Debütromanen. In der Publikation, die zum ungarischen Stand auf der Leipziger Buchmesse veröffentlicht wurde, vergleicht György Dragomán Totes Rennen mit Trainspotting. Wie bist du mit diesem Echo umgegangen?

BT: Es ist bis heute unbegreiflich. Ich freue mich sehr darüber, habe aber überhaupt nicht damit gerechnet. Ich bin verwöhnt und kann dafür nicht dankbar genug sein. Als ich am Buch gearbeitet habe, hatte ich keine Ahnung, ob es je gelesen würde, ich wusste nicht einmal, ob es überhaupt erscheinen würde. Das Wunder begann mit dem Anruf von Géza Morcsányi und der Mitteilung, dass Magvető das Buch verlegen würde. Aber die Tatsache, dass anderthalb Jahre nach dem Erscheinen die Begeisterung noch andauert, ist wirklich verblüffend.

DK: Belastet dich diese Resonanz sehr, während du am zweiten Buch arbeitest? 

BT: Als Übersetzer ist man gewohnt, dass seine Arbeit meistens erst dann besprochen wird, wenn er einen Fehler macht. Die positive Resonanz auf Totes Rennen hat auch eine derartige Seite. Du weißt, dass das, was du schreibst, bestimmt von jemandem gelesen wird. Und selbstverständlich sind viele gespannt darauf, womit der Autor das nächste Mal herausrückt. Es ist zwar eine dankbarere Aufgabe, solche Herausforderungen zu bekämpfen, aber man muss lernen, sie richtig zu händeln. Ich bin bestrebt, das nächste Buch so schreiben zu können, wie das erste. Ohne Kompromisse und Bedingungen, aber aus den Fehlern lernend. Ideen habe ich zum Glück mehr als genug, zurzeit taste ich mich langsam voran, in welche Richtung ich weitergehen soll, und warte darauf, dass mich die Geschichte findet, die für einen Roman taugt. Im Herbst hatte ich ein neues Buch begonnen und die Arbeit sehr genossen, aber dann bin ich in eine Sackgasse geraten. Jetzt spukt mir eine andere Idee im Kopf herum. Hoffentlich werde ich die eine oder andere früher oder später auch beenden können.

DK: Wie nimmst du als Übersetzer und Schriftsteller eine Buchmesse wie diese wahr? 

BT: Es gibt eine Unmenge von Ständen, Verlagen und Büchern hier, was einerseits sehr aufregend ist, andererseits auch anstrengend, da ich die ganze Zeit das Gefühl habe, etwas zu verpassen. Die Stimmung der Buchmesse steht in einem seltsamen Gegensatz zu der vertieften und einsamen Tätigkeit, die Lesen bedeutet. Natürlich hat auch dies seine Berechtigung, aber diese Art von Wahnsinn ist mir ziemlich fremd. Die Leipziger Buchmesse fokussiert auf die deutschsprachige Literatur, man kann in vier bis fünf Hallen, jede einzelne so groß wie eine Flugzeughalle, herumirren. Man ist auch ein wenig neidisch. Einmal würde ich mir gern eine Veranstaltung so groß wie diese anschauen, aber mit ungarischen Ausstellern.

Aus dem Ungarischen übersetzt von Orsolya Széher.

CALENDAR

SPECIAL EVENTS


2019
24
April
Mo Di Mi Do Fr Sa So
1 2 3 4 5 6 7
8 9 10 11 12 13 14
15 16 17 18 19 20 21
22 23 24 25 26 27 28
29 30 1 2 3 4 5
Keine Termine

EVENTS

Keine Termine

Banners