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31.03.2016 | Imre Kertész

„Betrachtet man die Tatsache, dass das Ungarische kein Genus kennt, ist es tatsächlich eine unmögliche Sprache. Es ist manchmal so, als würde es ein Geheimnis hüten, wie der altbekannte Räsoneur in den Komödien, der intime Freund, der Dritte, der über die Geheimnisse der Akteure zwar Bescheid weiß, aber nichts sagt, bis die Umstände ihn dazu bringen.”

Am 31. März 2016 ist Imre Kertész, der einzige Literaturnobelpreisträger Ungarns, nach langer und schwerer Krankheit im Alter von 86 Jahren in Budapest gestorben. Wir gedenken des Schriftstellers, der 2014 den Stephansorden, die höchste staatliche Auszeichnung Ungarns, entgegennehmen konnte, und der dem deutschen Sprachgebiet besonders verbunden war, auch als immer wiederkehrender Gast des Collegium Hungaricum Berlin.

Imre Kertész wurde am 9. November 1929 in Budapest geboren. Im Alter von 14 Jahren, am 30. Juni 1944, wurde er nach Auschwitz deportiert. Er hat die Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebt und kehrte nach der Befreiung der Lager 1945 nach Ungarn zurück. Seine Erfahrungen in den Konzentrationslagern flossen in seinen ersten und gleichzeitig bekanntesten Roman ein, an dem er zwischen 1960 und 1973 arbeitete. Der Roman eines Schicksallosen, bis heute einer der wesentlichsten Holocaust-Texte, erschien 1975, die wahre Anerkennung blieb dem Autor jedoch noch lange verwehrt.

Erst in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre bzw. nach dem Systemwechsel wurde dem in Ungarn verschwiegenen, im Westen unbekannten Schriftsteller größere Beachtung geschenkt. In den deutschsprachigen Ländern wurden seine Werke begeistert aufgenommen, die seit 1999 im Rowohlt Verlag erschienen. 1998 wurde Kertész Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, seit 2001 lebte er mit seiner zweiten Frau Magda Ambrus-Sass mehrere Jahre in Berlin.

Am 10. Oktober 2002 wurde die Entscheidung des Nobelpreiskomitees für Literatur bekannt gegeben: Kertész war der erste – und bislang einzige – ungarische Schriftsteller, der mit dieser Auszeichnung geehrt wurde. Wie die Schwedische Akademie in ihrer Begründung formulierte, werde Kertész „für ein schriftstellerisches Werk ausgezeichnet, das die zerbrechliche Erfahrung des Einzelnen gegenüber der barbarischen Willkür der Geschichte behauptet“.

„Einmal bin ich also schon gestorben, um leben zu dürfen – und vielleicht ist dies meine wahre Geschichte. Wenn es sich so verhält, dann widme ich das aus diesem Kindertod geborene Werk den vielen Millionen Toten und allen denen, die sich heute noch dieser Toten erinnern. Doch da es sich letzten Endes um Literatur handelt, eine Literatur, die der Begründung Ihrer Akademie zufolge zugleich Zeugnis ist, mag es vielleicht auch für die Zukunft von Nutzen sein, ja, am liebsten würde ich sagen: möge es der Zukunft dienen. Denn nach meiner Auffassung stoße ich, wenn ich mich mit der traumatischen Wirkung von Auschwitz auseinandersetze, auf die Grundfragen der Lebensfähigkeit und kreativen Kraft des heutigen Menschen; das heißt, über Auschwitz nachdenkend, denke ich paradoxerweise vielleicht eher über die Zukunft nach als über die Vergangenheit.”, so Kertész in seiner Rede bei der Preisverleihung in Stockholm.

2002 wurde Kertész Ehrenbürger der Stadt Budapest, drei Jahre später Ehrendoktor der Pariser Sorbonne Universität. Seit 2007 war er Botschafter der Ungarischen Kultur, seit 2009 Mitglied der Széchenyi Akademie. 2014 wurde ihm der Stephansorden, die höchste staatliche Auszeichnung Ungarns, verliehen. Auch in Deutschland wurde Imre Kertész mit zahlreichen Preisen bedacht, so beispielsweise 1997 mit dem Leipziger Buchpreis zur europäischen Verständigung und im Jahr 2004 mit dem Herder-Preis. 2004 erhielt er das Große Bundesverdienstkreuz mit Stern, seit 2003 war er Mitglied der Berliner Akademie der Künste, der er auch sein Archiv vermacht hat.

 

Imre Kertész liest sein Lieblingsgedicht von Endre Ady

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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