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14.07.2016 | Péter Esterházy gestorben

Am 14. Juli 2016 ist der ungarische Schriftsteller Péter Esterházy im Alter von 66 Jahren nach schwerer Krankheit gestorben. Er war einer der bedeutendsten Gegenwartsautoren Ungarns. Sein letztes Buch Hasnyálmirigynapló (dt. 'Bauchspeicheldrüsentagebuch') ist im Mai auf Ungarisch erschienen.
201607 Esterhazy Artikel
Péter Esterházy bei der Eröffnung der Budapester Buchwoche im Juni 2016. Foto: MTI/ Zoltán Balogh

Péter Esterházy wurde am 14. April 1950 in Budapest geboren, aufgewachsen war er jedoch in einem abgelegenen Dorf, wohin seine Familie - eine der ältesten und einst vermögendsten Aristokratenfamilien Ungarns - nach der Enteignung deportiert worden war. Nach seinem Mathematikstudium arbeitete er bis 1978 am Institut für Datenverarbeitung im ungarischen Ministerium für Hütten- und Maschinenbauindustrie. 1979 erschien sein Produktionsroman, der ihm den endgültigen Durchbruch als Schriftsteller verschaffte.

Die meisten von Esterházys Romanen wurden ins Deutsche übersetzt. Bekannt wurde er unter anderem durch die Werke Kleine ungarische Pornographie (auf Deutsch erschienen 1997), Donau abwärts (1992) und Harmonia Caelestis (2000). 2004 erhielt  er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Er war Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung sowie der Berliner Akademie der Künste.

"Esterházy wird zur Generation der Postmodernen der ungarischen Literatur gezählt, er galt neben Péter Nádas und dem im März dieses Jahres verstorbenen Imre Kertész als bedeutendster Gegenwartsautor Ungarns. Schon mit seinem ersten Buch, dem Novellenband „Fancsikó és Pinta" (1976), vollzog Esterházy eine strikte Abkehr vom sozialistischen Realismus und wandte sich gegen die von der parteilichen Kulturkritik geforderte Wirklichkeitsdarstellung. Esterházy spielte in seinen Büchern vielmehr mit der Bedeutung von Worten, er reflektierte und verzerrte bekannte Formen und Muster, löste das erzählende Ich in verschiedene Erzählweisen auf und persiflierte den Realitätsverlust rein beschreibender Literatur."
Frankfurter Allgemeine Zeitung

"Péter Esterházy, von dem sein Landsmann Imre Kertész einmal sagte, er sei wie ein Frühlingswind in die im Frost des sozialistischen Realismus erstarrte ungarische Literatur eingebrochen, vereinigte viele Qualitäten in einer Person. Witz, Wendigkeit, Eigensinn, Menschenfreundlichkeit, Intellekt, Selbstironie, ästhetische Radikalität, und zuweilen ist das Werk des profunden Fußballkenners und Wortdribblers auch von einer feinen Ironie durchzogen."
Der Standard

"Wir, die wir eine Generation jünger (und dazu Ungarn, schreibende wie lesende) sind, sind alle auf die eine oder andere Weise seinem Mantel entstiegen."
Aus dem Nachruf von Terézia Mora auf Spiegel Online

"Mit dem „Produktionsroman“ (1979), einer sarkastischen Betrachtung der Arbeitswirklichkeit im Realsozialismus, schaffte er den Durchbruch. In der Folge entwickelte er einen sehr persönlichen Stil, getragen von feiner Ironie und beziehungsreichen Anspielungen. Sein Thema war die komplizierte, von Brüchen geprägte Geschichte Mittelosteuropas, in der sich stets irgendwie seine eigene Geschichte und die seiner Familie spiegelt."
Der Tagesspiegel

"Sein berühmtester Satz steht am Anfang seines großen Romans "Harmonia Caelestis", der dem Träger des Österreichischen Staatspreises 2004 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels einbrachte: "Es ist elend schwer zu lügen, wenn man die Wahrheit nicht kennt." Dies ist mehr als nur ein logisches Statement, es ist seine Poetik. Esterhazys Geschichten sind wahr, gerade weil sie erfunden wurden."
Die Presse

Titelbild: Lenke Szilágyi, Wikimedia Commons

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