Zoltán Kodály 135/60

 

„Musik ist die Nahrung für die Seele und an sich unersetzbar. Wer ohne Musik lebt, hat ein seelisches Defizit. Vollkommenes Leben ohne Musik ist unvorstellbar. Es gibt Räume in der Seele, die nur mit Musik beleuchtet werden.“ (Zoltán Kodály, 1944)


Zoltán Kodály (geb. 16. Dez. 1882 – gest. 6. März 1967) ließ sich 1900 an der geisteswissenschaftlichen Fakultät der Pázmány Péter Universität sowie an der Musikakademie für Komposition einschreiben. 1906 verfasste er seine Dissertation „Über Strophenbau im ungarischen Volkslied“. Zu dieser Zeit lernte er die Phonogrammsammlung von Béla Vikár kennen, die ihm zur Volksliedforschung am Lande veranlasste. Bereits am Anfang seiner Recherche lernte er Béla Bartók kennen und schloss mit ihm eine lebenslange Freundschaft. 1907 wurde er zum Professor für Musiktheorie und 1908 zum Professor für Komposition an der Musikakademie.

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Zoltán Kodály. Foto: MTI Archiv

Dank seiner Forschungstätigkeit, die fast das ganze ungarischsprachige Gebiet abdeckte, wurde das Reichtum der Volkslieder entdeckt und zugänglich gemacht. Im Bereich Volksliedsammeln, -dokumentation und -systematisierung schuf Kodály ein Meisterwerk. Die internationale Würdigung erkämpfte er – genauso wie Béla Bartók – mit seiner Arbeit im Bereich vergleichender Musikethnologie.

Der Ausbruch des ersten Weltkrieges verhinderte nicht nur die Verbreitung seiner Werke nach Westeuropa, sondern auch das Sammeln der Volkslieder auf dem Lande. Kodály hat deswegen wissenschaftliche Beiträge in Fachzeitschriften publiziert. Nach dem Erfolg des Psalmus Hungaricus, das er 1923 zum 50. Jubiläum der Zusammenlegung von Buda, Pest und Óbuda verfasste, galt er als maßgeblicher Komponist in Ungarn. In den 30er Jahren hat er – parallel zu den Orchesterwerken – seinen großen Traum verwirklicht: die Volkslieder wurden im Rahnem seines Werkes Székelyfonó in den Konzertsälen und in der Oper vorgetragen.

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Zoltán Kodály mit sowjetisch-armenischen Komponist Aram Khachaturian. Foto: MTI Archiv

Die Thematik seiner neuen Werke wurde die musikalische Erziehung, die er als „innere Mission“ bezeichnet hat. Am Ende der 30er und Anfang der 40er Jahre bekam sein Plan, den Musikunterricht in der Grundschule zu verbessern, von staatlicher Seite Unterstützung. 1942 ging er in den Ruhestand, aber er unterrichtete weiterhin Volksmusik an der Musikakademie und wurde mit dem Ungarischen Verdienstorden ausgezeichnet. Der Landesverband der Ungarischen Musikvereine erklärte das Jahr 1942 zum Kodály-Gedenkjahr. 1945 wurde Kodály ordentlicher Mitglied der Ungarischen Akademie der Wissenschaften und ab 1946 bis 1949 war er ihr Präsident.

Nach dem zweiten Weltkrieg spielte Kodály eine bedeutende Rolle beim geistlichen Wiederaufbau des Landes. Er bekam sämtliche öffentliche Posten und wurde unter anderem Präsident des Ungarischen Künstlerrates und des Freien Musikerverbundes sowie Vorsitzender im Direktionsrat der Musikakademie. Er reiste 1947 nach der Sowjetunion und 1948-49 war er mehrmals in Westeuropa. 1965 verbrachte er zwei Monate in den USA. Zoltán Kodály ist am 6. März 1967 in Budapest gestorben.

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Zoltán Kodály als Dirigent in 1954. Foto: MTI Archiv

Anlässlich des Doppeljubiläums feiert Ungarn das Kodály-Gedenkjahr mit einer vielversprechenden Programmreihe. Im Rahmen der Feierlichkeiten lädt das Collegium Hungaricum Berlin alle Musikliebhaber zu einem Konzert am 27. Oktober herzlich ein.
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