1.9.2017 - 31.3.2018 | CHB Residency #2 Áron Kútvölgyi-Szabó: Clustering Illusions

Der Bildende Künstler Áron Kútvölgyi-Szabó war im Sommer 2017 zweiter Gast im hauseigenen Artist-in-Residence Programm CHB Residency. Die Ergebnisse seines einmonatigen Arbeitsaufenthaltes unter dem Titel Clustering Illusions können bis Ende März 2018 besichtigt werden.

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"Das gezielt für die Räume des CHB konzipierte Werk-Ensemble setzt sich aus drei Einheiten zusammen: Die zentrale Komposition ist im Weininger-Saal, in der I. Etage, zu sehen. An diese knüpfen sich weitere Installationen und Videoprojektionen im Erdgeschoss sowie in der I. und IV. Etage an, die sich als Referenzen zum Hauptwerk lesen lassen. Sie werden um eine weitere ortsspezifische Arbeit im Außenbereich des Gebäudes ergänzt, welche sich auf der Dachbrücke zwischen dem CHB und dem benachbarten Gebäudekomplex befindet, und die so Reflexionen aus den Fenstern der seitlichen Fassade mit ins Spiel bringt.

Der umfassende Titel der Arbeiten Clustering Illusions steht für eine Variante der kognitiven Verzerrung, die in der heutigen „postfaktischen“ Gegenwart immer mehr an Aktualität gewinnt. Er beschreibt eine Art unbewussten Zwang im Menschen, der ihn dazu bewegt, sporadisch auftretende Phänomene in fiktive Zusammenhänge zu setzen und ihren Erscheinungen ein regelmäßiges Muster zuzuschreiben. Die gleiche willkürliche Selektion spielt sich im Hintergrund ab, wenn man aus einer bestimmten Menge von Informationen ausschließlich das wahrnimmt, was mit der eigenen Weltanschauung oder mit den eigenen, bereits existierenden Pre-Konzeptionen / Vorurteilen konform geht.
In seinen Werken verweist Áron Kútvölgyi-Szabó damit auf solche potenziellen epistemologischen Fehlschlüsse hin, die sich aus dem Negligieren der Räumlichkeit oder einem automatischen Verbildlichungsmechanismus ergeben, nach dem gleichen Prinzip, wie auch unser Verstand und die meisten bildgebenden Geräte funktionieren. Als Metaphern dieser gedanklichen frames erscheinen die geschweißten Stahlrahmen von unterschiedlicher Größe im Weininger Saal, die in ihrer räumlichen Anordnung verschiedene Ausschnitte darstellen.
Neben dem Spiel mit den unterschiedlichen Ansichten kommt bei den Werken von Kútvölgyi-Szabó auch die Texturalität bewusst zum Einsatz: Die Oberflächen der in der Installation verwendeten Objekte (Schwämme und Granulate) weisen eine unbegreiflich dichte Stoffstruktur auf, die in Analogie zur Informationsflut der mediengesättigten Gegenwart steht. Die in den Ausschnitten beobachtbaren Maserungen und Konstellationen sind in der Tat zufallsartig, da sie bei einer anderen Musterentnahme bereits ein ganz anderes Bild ergeben würden. So wird hierbei gerade die Problematik von Schnitten und anderen Stichprobeneinheiten deutlich, die bei ungleichmäßig zusammengesetzten Substanzen bereits durch kleinsten Abweichungen die Probe verfälschen und somit ihre Repräsentativität bzw. ihre Aussagekraft in Bezug auf das Ganze verlieren können." (Áron Kútvölgyi-Szabó)

 

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Áron Kútvölgyi-Szabó, bildender Künstler, ist 1985 in Budapest, Ungarn geboren. Nach seinem Studium der Kunstgeschichte und Philosophie, erhielt er das Cirius Stipendium in Dänemark und begann an der Engelsholm Højskol eine Ausbildung als Bildhauer. Anschließend studierte er an Kunstfakultät der Universität Pécs Bildhauerei. 2012 erhielt er das Fundamenta-Amadeus Künstlerstipendium. Seit 2015 wurde er jedes Jahr mit dem Gyula Derkovits-Preis ausgezeichnet. Áron Kútvölgyi-Szabó nahm an mehreren Gruppenausstellungen in Ungarn sowie weltweit teil: U.a. OFF-Biennale Budapest 2015, Trafó Galerie (Budapest), Light Year Project (New York), Positions Art Fair (Berlin), Plusmínusnula Galerie (Zilina, Slovakia), Kunsthalle Budapest und Chimera-Project Gallery (Budapest). Der Künstler wird durch die Chimera-Project Galerie Galerie in Budapest vertreten.

Im Fokus seiner künstlerischen Praxis der letzten Jahre stehen bei Kútvölgyi-Szabó die Themen der menschlichen Wahrnehmung und die Unsicherheit des menschlichen Wissens sowie die Rolle, die Räumlichkeit hierbei spielt. Diesen Aspekt hat Kútvölgyi-Szabó im Rahmen des CHB Residency aus einer neuen Perspektive, mittels der Konzepte des Ausschnitts sowie des Framing untersucht.