Vor 100 Jahren wurde Magda Szabó geboren

 

Am 5. Oktober 1917, also genau vor 100 Jahren, wurde Magda Szabó, die bekannteste ungarische Schriftstellerin des 20. Jahrhunderts geboren. Obwohl ihre Werke in mehr als vierzig Ländern und auf dreißig unterschiedlichen Sprachen erschienen, hat die ungarnweit gefeierte Schriftstellerin erst 2003, nach Erhalt des französischen Literaturpreises prix Femina étranger, internationale Bekanntheit erlangt. Ihr bekanntestes Werk Die Tür gilt als einer der wichtigsten ungarischen Romane des 20. Jahrhunderts.

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Szabó in 1964. Foto: Hunyady József, Fortepan

Magda Szabó ist in einer reformierten Familie in Debrecen geboren. Die bürgerliche Kultur ihrer Geburtsstadt, dem „calvinistischen Rom“ Ungarns, hat sie ihr Leben lang begleitet. 1935 machte Szabó ihr Abitur und 1940 schloss sie ihr Lehramtstudium für Latein und Ungarisch an der kurz zuvor gegründeten Universität Debrecen ab, wo sie auch ihren Doktortitel erhielt.

1945 wurde Magda Szabó Beamtin im Bildungsministerium. Zuvor unterrichtete sie in einem reformierten Mädcheninternat in Budapest und später in Hódmezövásárhely. Ihr erster Gedichtband A bárány erschien 1947, zwei Jahre später folgte die Gedichtsammlung Vissza az emberig.

1949 bekam Magda Szabó ihre höchste literarische Auszeichnung, den Baumgarten-Preis, verliehen. Noch am Tag der Preisverleihung wurde die Auszeichnung jedoch widerrufen und Szabó wurde aus dem Dienst entlassen. Bis einschließlich 1947 wurde ihr jegliche Publikation untersagt. In diesem Jahrzehnt arbeitete Magda Szabó als Lehrerin in einem Budapester Gymnasium.

1947 heiratete sie den Schriftsteller Tibor Szobotka, dessen Figur in ihrem Buch Megmaradt Szobotkának auftaucht. Nach seinem Tod wurde Szabó die Verwalterin seines Nachlasses.

1958 wurde ihr Jugendroman Mondják meg Zsófikának veröffentlicht, der ihr zu großer Popularität verhalf. Der im darauffolgenden Jahr erscheinende Roman Das Fresko bescherte der in die Laufbahn der Schriftstellerin zurückkehrenden Magda Szabó auch in Fachkreisen besondere Anerkennung. Danach konnte Szabó als Berufsschriftstellerin arbeiten. Sie schrieb zahlreiche autobiographische Romane: Ókút, Eine altmodische Geschichte und Für Elise (OT) erzählen von ihrer eigenen Kindheit und der ihrer Eltern, sowie von der Stadt Debrecen des beginnenden 20. Jahrhunderts. Viele ihrer Werke befassen sich mit dem Schicksaal der Frauen. Ihr vermutlich bekanntester und international erfolgreichster Roman Die Tür arbeitet diese Themen auf. Das Buch wurde 2012 vom ungarischen Regisseur und Oscar-Preisträger István Szabó unter dem Titel Hinter der Tür verfilmt.

1977 verlieh man Magda Szabó den Ehrenbürgertitel von Debrecen, im Jahr darauf erhielt sie den Kossuth-Preis, die höchste staatliche Auszeichnung in Ungarn. 1992 wurde sie Gründungsmitglied der Széchenyi Akademie für Literatur und Kunst. 2001 widmete man ihr die wiedereingeführte Ungarische Corvin-Kette, eine Auszeichnung im Bereich Wissenschaft, Literatur und Kultur. 2003 wurde ihr der Prima Primissima-Preis verliehen.

Anlässlich ihres 100. Geburtstags gedenkt u.a. das Petőfi Literaturmuseum in Budapest der Schriftstellerin mit der Ausstellung „Annyi titkom maradt…“.