16.04.2018 20:00 | Montag Modus #18 This Is the Event and the Event is Many Things

 

Mit:

Moritz Majce und Sandra Man: CHOROS IV
Felix Mathias Ott: KLAVIER UND KÖRPER
Imre Vass: TAKING PLACE
Zorka Wollny: THE HEARING TRUMPET

Am Montag, den 16. April um 20 Uhr präsentiert das Collegium Hungaricum Berlin die Frühlingsausgabe der Performanceserie Montag Modus. Diesmal wieder mit einer Vielzahl von Stücken, die innerhalb und außerhalb des 5-stöckigen Gebäudes stattfinden: ortsspezifische Performances, Klanglandschaften und räumliche Choreographie.
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Foto: Brigitta Tóth

“This Is the Event and the Event is Many Things” ist der Titel des Abends, welches von der prozess-orientierten Ausstellung von Bart de Baere “This Is the Show and the Show is Many Things” inspiriert wurde und sich als bewegliche Einheit erweist, die über die Zeit hinweg verschiedene Formen annimmt.

Die Veranstaltung interessiert sich weniger für Narrative als für ihre Bedeutungen in einem bestimmten Moment. Diese prozess-orientierte Komponente wird von allen Arbeiten gespiegelt, da sie die Wahrnehmung der Gegenwart in Frage stellen, indem sie alternative Möglichkeiten der Raumerfahrung durch „Projektion“ und Klang eröffnen. Sie untersuchen den Raum und die Rolle des Betrachters unter zahlreichen ästhetischen und konzeptuellen Gesichtspunkten.

 

Programm des Abends

 

Moritz Majce und Sandra Man: CHOROS IV

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Foto: Moritz Majce und Sandra Man

Choros ist der Titel einer Reihe, in der sich Moritz Majce und Sandra Man dem Verhältnis von Körper, Blick und Raum widmen. Der Titel geht auf die altgriechische Bezeichnung für Ringtanz zurück und bezieht sich auf eine kreisförmige Tänzerformation. In Chorus I und II arbeiteten Majce und Man mit einem Raumchor aus TänzerInnen daran, einen Raum als fließende Bewegung um und mit Zuschauenden zu schaffen. In Choros III filmten sie einen Performer im Gebirge und erkundeten die Möglichkeiten einer in den Zuschauerraum verlängerten Landschaft. In Choros IV installieren sie eine Abfolge choreographischer Filme, vertonen sie mit Sprache und Klang und setzen die Durchlässigkeit von Innen und Außen ins Zentrum: zwischen Hören und Sehen, Bild und Raum, Aussicht und Reflexion.

Ein Ausgangsmotiv bildet die scaenae frons des antiken römischen Theaters, eine bemalte Wand hinter der Bühne, die erstmals den Blick des Publikums auf die dahinterliegende Landschaft unterbrach. In der Zusammenarbeit von Majce und Man werden Zuschauerräume visuell umgewandelt, damit das Publikum am Akt des wahren Sehens Teil haben kann.

Moritz Majce & Sandra Man

Moritz Majce, bildender Künstler, lebt und arbeitet in Berlin/Wien, beschäftigt sich in seinen Arbeiten mit dem Sehen als Raumerfahrung. Sandra Man lebt und arbeitet in Berlin/Wien, setzt sich als Lyrikerin und Choreografin mit dem Verhältnis von Text, Stimme und Raum auseinander. Basierend auf Mitteln der bildenden Kunst und der Literatur arbeiten Moritz Majce und Sandra Man in ihren gemeinsamen Projekten an einem Verständnis von Choreografie als Raumkunst.

 

Felix Mathias Ott: KLAVIER UND KÖRPER
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Felix Mathias Ott: Klavier und Körper. Foto: Giorgia Palmisano

Klavier und Körper ist eine Performance, die ein Klavier und einen männlichen Körper in einem Duett miteinander verflechtet. Die Möglichkeiten dieser Formen und ihrer Beziehung zueinander werden getestet und deren Grenzen ausgelotet, immer zwischen inniger Konfrontation und beängstigenden Umarmungen gefangen. Das Stück wurde an die spezifischen Raumgegebenheiten des CHB angepasst und eine Projektionsfläche für die Zuschauer aufgespannt, welche den Betrachtern eine tiefere und weitere Interpretierbarkeit ermöglicht.
Am Anfang der Recherche von Felix Mathias Ott stand die Teilnahme an Mass I, der ersten öffentlichen Veranstaltung des Archivio Conz in Zusammenarbeit mit der Performance Agency im Herbst 2017. Eine jahrzehntelang unbeachtet gebliebene Tonbandaufnahme, die zufällig im Nachlass des Dadaisten Richard Huelsenbeck im Deutschen Literaturarchiv in Marbach am Neckar entdeckt wurde ist Ausgangspunkt der Recherche: Zu hören ist, wie der Künstler Rafael Montañez Ortiz beim „Destruction in Art Symposium“ (DIAS) am 10. September 1966 in London ein Piano mit einer Axt zertrümmert. Es ist das rare Dokument eines kunstgeschichtlich wichtigen Symposiums, das die Destruktionskunst erstmals als internationale Zeitströmung sichtbar machte.

Co-Produzenten: Archivio Conz and The Peformance Agency, Tanzfabrik Berlin, APAP and the Creative Europe programme of the European Union

Felix Mathias Ott

Er arbeitet hauptsächlich als Choreograph auf dem Gebiet der zeitgenössischen Performancekunst in Berlin. Seit seinem Studium in Bühnendesign, Zeitgenössischem Tanz, Kontext und Choreographie am HZT Berlin, ist er als Bühnendesigner, Videoartist, Interpret (Tanz/Schauspiel), Autor und Choreograph rund um die Welt tätig. Felix‘ Arbeiten schaffen reflexive, konzeptuelle Räume, in denen der Zuschauer eingeladen wird, in die Welt des Unterbewusstseins einzutauchen. Sie fordern außerdem eine gewisse persönliche Kreativität, um die einzelnen Fragmente der surrealistischen Handschrift des Künstlers zu einem Ganzen zusammenzusetzen.

 

Imre Vass: TAKING PLACE
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Foto: Brigitta Tóth

Taking place nimmt genau so viel Raum ein, wie es wiegt. Trotzdem strebt es danach, wieder seine ursprüngliche Form aufzunehmen und dabei den unnötigen Ballast an festgefahrenen Vorstellungen, schwammigen Meinungen und üblen Urteilen loszuwerden. Wie schafft man Raum für das gegenwärtige Geschehen, wenn die Luft voller fluktuierender Informationen der Vergangenheit und Spekulationen über die Zukunft ist?

Taking Place ist gefüllt mit Standbildern, Fragmenten von Narrativen und Szenen, die das gegenwärtige Denken einnehmen, während die Zuschauer drei sich bewegenden Körpern dabei zusehen, wie sie ihre Geschichten in ein Raum-Zeit-Vakuum einschreiben. Die intellektuellen Kapazitäten des Verstands tendieren dazu, Prozesse zu interpretieren, zu erzählen, Verbindungen herzustellen und ihnen Sinn zu stiften. Gerade diese Dichotomie ist es, die das vorliegende Stück erkunden möchte. Wie viel wiegt eine Bewegung oder Geste? Gibt es einen Unterschied zwischen dem, was mir sehen, und dem, was wir uns weismachen wollen zu sehen?

Konzept, Choreographie: Imre VASS
Kreation, Performance: Viktor SZERI, Tamata Zsófia VADAS, Imre VASS
Sound, Musik: Dávid SOMLÓ
Co-Produzenten: Katlan Group
Förderer: Ministerium für Humanresourcen, Ungarischer Kulturfonds, MU Theater, New Performing Arts Stiftung, SÍN Arts Kulturzentrum, Workshop Stiftung

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Imre Vass

Imre Vass ist ein in Budapest ansässiger Tänzer, Performer und Choreograph. Seit seinem Abschluss an der Übergreifenden Hochschule für Tanz 2007 in Budapest, arbeitet er mit diversen ungarischen und internationalen Tanzkompanien zusammen. 2010 produzierte er seine erste eigene Arbeit. In seinen Solo-, Duo-, oder Gruppenproduktion beschäftigt er sich mit Fragen zur Rolle des Zuschauers sowie dem Verhältnis zwischen Publikum und Darstellern.

 

Zorka Wollny: THE HEARING TRUMPET

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Zorka Wollny. Foto: Małgorzata Mazur

In einer Reihe von Klangereignissen erschaffen zehn Performance-Künstler eine Atmosphäre in Anlehnung an das Buch The Hearing Trumpet der Erzählerin und surrealistischen Malerin Leonora Carrington. Der Gesang versucht die Wahrnehmung des Raumes zu verändern und eine Klanglandschaft zu erzeugen, die aus kurzen Etüden besteht und von der Gegenwart der Darsteller erfüllt ist, die hartnäckig Namen wiederholen, Passagen aus Liedern in Erinnerung rufen, Daten und Uhrzeiten rezitieren, murmeln, flüstern und brummen.
Die gänzlich akustische Komposition von Zorka Wollny erkundet den Klang in seinem reinsten Zustand und überbrückt gleichzeitig die Brücken zwischen Geräusch, Lärm und Musik im zeitgenössischen wie historischen Sinn.

Zorka Wollny

Zorka Wollny produziert akustische Kompositionen für Institutionen, Fabrikgebäude sowie leere Gebäude. Ihre Arbeiten durchstreifen die Felder der bildenden Kunst, zeitgenössischer Musik und des Theaters. Wollny’s kollaborative Produktionsweise beinhaltet oft öffentliche Proben und Workshops, in denen sie verschiedene Strukturen der Kooperation mit sowohl Individuen, als auch Gruppen (Tänzer, Studenten, Schauspieler und Aktivisten) schafft. Mit ihrem aktuellsten Projekt „Dissent“ nahm sie am diesjährigen Eröffnungskonzert des CTM Festivals Berlin teil.

 

Montag Modus #18 This Is the Event and the Event is Many Things
16. April 2018, 20:00-23:00 Uhr
Collegium Hungaricum Berlin (CHB)
Dorotheenstraße 12, 10117 Berlin| Eintritt frei
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