04.06.2018 | RULES: Programm am Montag

RULES Tag 1 - MONTAG MODUS
 
PROGRAMM
 
19:00-20:00
CHB Breuer Saal
 
We didn't do it! Crew: Mental Gym*
*Teilnahme an Registration gebunden: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
 
Die Sehnsucht nach Ordnung stellt sich individuell wie gesellschaftlich als ewiges Problem. Fehlende Ordnung kann zu Chaos führen, übertriebenes Ordnungsbestreben in einen unerträglichen Zustand. Heute ist ein populistisches Versprechen von Ordnungsstiftung beobachtbar, durch das autoritäre Figuren an Raum gewinnen. 
 
Die Künstlergruppe We didn´t do it! Crew erkennt in der ordnungsliebenden Denkweise Erfahrungen aus ihrer Schulzeit wieder. Für sie ist die Schule ein Ort der Verinnerlichung von Normen: ein Laboratorium für von oben aufgezwungene, ordnungsstiftende Absichten u. eine Quelle für Frustrationen u. Angststörungen. Das Projekt Freizeit initiiert eine Auseinandersetzung mit ihnen u. bedient sich dabei einer kritischen Herangehensweise u. dem „unlearning“ als befreiendem Verlernen schlechter Angewohnheiten.  
 
 
20:00-20:30
CHB Weininger Saal
Montag Modus präsentiert
 
Dominika Trapp
Peasants in Atmosphere – Footnotes
Foto: Janos Donnak
 
Die Gruppe The Peasants in Atmosphere unternimmt den Versuch, eine neue Lesart des traditionellen Kulturerbes zu eröffnen, die eine kritische Betrachtung impliziert und die progressiven Spannungen zwischen zeitgenössischer Kunst und der neuen Generation der ungarischen Tanzhausbewegung überbrückt. Während des Sozialismus stellte die in den 1970-er Jahren entstehende Tanzhausbewegung einen wichtigen Begegnungsort für die Gegenkultur dar. In letzter Zeit hingegen werden Debatten um die Bauernkultur oft mit rechtskonservativer Politik und Traditionalismus in Verbindung gebracht. In ihrer kooperativen Arbeitsweise interpretieren Peasants of Atmosphere das Erbe der Volkskultur mit Rückgriff auf kritische Methoden neu.     
 
Die Lecture Performance ‘Peasants in Atmosphere – Footnotes’ von Dominika Trapp ist bestrebt, das Musikstück durch umfangreiche Recherche zu kontextualisieren. Sie wird am zweiten Tag des RULES Festivals, am 5. Juni am CHB aufgeführt. Begleitet wird die Lecture Performance von Áron Portelekis Musik.
 
Dominika Trapp machte ihren Abschluss in Malerei 2012 an der Universität der Künste in Budapest. In ihren jüngsten Recherche-basierten Projekten beschäftigte sie sich mit der Beziehung des Subjekts zu globalen und lokalen Trends sowie mit der Verantwortung von Künstlern in diesem Kontext. In ihrer kuratorischen Arbeit ist Dominika Trapp bestrebt, Communities miteinander in Dialog zu bringen, die auf Grund von kulturellen, politischen, geographischen oder anderer Faktoren voneinander getrennt sind. Mit ihren Solo-Arbeiten nahm sie an zahlreichen Ausstellungen in Ungarn, Berlin, London, Brno und Istanbul teil. 
 
 
20:40-21:00
CHB Moholy-Nagy Saal
Montag Modus präsentiert
 
Clément LAYES / Public in Private
ONON 4
 
ONON ist eine Reihe von sieben kurzen Performances, die im Zeitraum von 2017 bis 2019 entstehen und die als Höhepunkt in eine abschließende Performance münden, die aus den sieben zuvor entworfenen Stücken besteht. Die ONON Reihe ist Teil einer neuen Forschungsarbeit zum Thema Rhythmus, die auch Eternal return und the emergency artist umfasst. Wir betrachten Rhythmus als ein gefährliches und aufregendes Konzept, weil es direkt auf der Ebene der Erfahrung operiert. Er berührt uns, noch bevor wir bewusst darüber nachdenken können. 
In ONON 4 liegt der Fokus auf dem Öffnen und Schließen von Türen sowie auf Fragen der Kriminalität und dem Umgang mit intensiven Gefühlen. 
 
Konzept: Clément Layes
Mit und von: Cécile Bally, Nir Vidan, Asaf Ahronson
Szenographie: Clément Layes, Jonas Maria Droste
Gefördert von der Senatsverwaltung für Kultur und Europa
 
Clément Layes arbeitet seit 2008 als Choreograph und Performer in Berlin, wo er zusammen mit Jasna Layes Vinovrski die Company Public in Private gründete. An der Schnittstelle von Choreographie, visueller Kunst und Philosophie beschäftigt sich seine Arbeit in erster Linie mit Beobachtungen zum täglichen Leben. Seine Performances, darunter Allege“ (2010), „Der grüne Stuhl“ (2012), „Things that surround us“ (2012), „dreamed apparatus“ (2014), „TITLE“ (2015) und „The Eternal Return“ (2017) wurden international aufgeführt. 
 
21:15-22:00
CHB Weininger Saal
Montag Modus präsentiert 
 
Sergiu Matis
Nocturne for broken vocal cords
 
Nocturne for broken vocal cords ist Teil von Sergiu Matis' Noise Nocturnes, einer Reihe von Performances und Texten, welche das romantische Genre in seiner Faszination für die Nacht und Dunkelheit überdenkt, die Natur nachahmt und mit der Folklore kokettiert. Massive Blöcke akustischer und motorischer Geräusche, gepaart mit einer Fülle an wiederaufbereiteten Texten, die in schnellem Tempo gesprochen oder geschrien werden, begründen die dichte Partitur von Nocturne. Choreographische Werkzeuge, die auf Bewegung und Stimme ausgerichtet sind, ermöglichen die Navigation durch die Überflutung von verzögerten und fragmentierten Bewegungen und Geräuschen, indem sie Chaos durch Zusammenhalt fördern. Intensiver Geschrei verwandelt die Stimme in einen verzweifelten und schmerzlichen Ton. 
 
Sergiu Matis ist Tänzer und Choreograph. In jungen Jahren, zur Wendezeit im postkommunistischen Rumänien durch Ballet-Techniken verdorben, ist er jetzt auf der Suche nach einer neuen Virtuosität, indem er von Maschinen lernt, Fragmente der Geschichte zusammenwürfelt und aus persönlichen wie öffentlichen Archiven der westlichen Tanzgeschichte klaut. Matis liebt Sprachspiele in Form von performativen Texten sowie choreographische Bedeutung und Ideen und er mag es mit Poesie und Theorie zu liebäugeln, die auch eine Prise Antüglichkeit und starke Grooves in sich tragen.