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8. Oktober 2018 20:00 | Montag Modus #20 Resources

 
Am Montag, den 8. Oktober um 20 Uhr präsentiert das Collegium Hungaricum Berlin die 20. Ausgabe der Performanceserie Montag Modus. Unter dem Titel Ressourcen werden diesmal Performances von Felix Mathias Ott, Zsuzsa Rózsavölgyi, Kinga Tóth und Antoni Rayzhekov sowie eine Installation von Ádám Albert gezeigt.
 
Die Ausgabe Ressourcen ist bestrebt durch unterschiedliche künstlerische Herangehensweisen und Disziplinen einen Anstoß zur kritischen Überprüfung der Konzepte Menschheit und Natur sowie ihrer Wechselwirkungen zu geben. Installationen, lebendige Skulpturen, Performances und audiovisuelle Arbeiten untersuchen die empfindliche Textur globaler Zusammenhänge. Die eingeladenen Arbeiten gehen der grundlegenden Frage nach, wo Menschen im Verhältnis zur Natur, dem Kosmos und zu einander stehen.
 
Montag Modus ist eine zweimonatlich stattfindende Veranstaltungsreihe des CHB, die verschiedene Aspekte performativer Kunst untersucht und besonders die Schnittstelle zwischen Bildender Kunst, Tanz, Theorie und Musik sowie die Ganzheitlichkeit des Verhältnisses zwischen Zuschauer und Kunstwerk in den Blick nimmt. Als internationale Plattform fördert sie die Zusammenarbeit von Künstlern unterschiedlicher Genres und Herangehensweisen zwischen Ungarn und Berlin.                                 
 
Kuratiert wird die Veranstaltungsreihe von Léna Szirmay-Kalos. 
 
Ádám Albert: Die Wahrheit des Gärtners 
 
 
Foto: Barbara Antal
 
Die Wahrheit des Gärtners untersucht das Verhältnis zwischen Vegetation und Menschheit sowie die möglichen globalen Auswirkungen dieses Verhältnisses auf das Überleben. Ausgangspunkt für Alberts Arbeit bildet der vom ungarischen Mediziner Ignác Semmelweis im 19. Jahrhundert angestoßene wissenschaftliche Fortschritt im Bereich der Hygiene zur Prävention des Kindbettfiebers, einer schwerwiegenden postnatalen Infektionskrankheit der damaligen Zeit. Semmelweis‘ Entdeckung markiert einen wichtigen Meilenstein in der Wissenschaftsgeschichte, denn er sah eine Vorbeugung der Krankheit in der Desinfektion mit Chlorkalk und kam zu dem Schluss, dass unzureichende Hygiene in großem Maße für die Herausbildung der Infektion verantwortlich sind. Der medizinische Paradigmenwechsel im ersten Drittel der 1860-er Jahre ließ indes im Vergleich zu der 1847 von Semmelweis gemachten Entdeckung lange auf sich warten. Daran anknüpfend erforscht die Installation unbekannte, komplexe (Wissens-)Systeme und untersucht durch das Heranziehen der Metapher des Pflanzenwachstums die Möglichkeiten des Überlebens und Fortbestehens sowie die daraus resultierenden Konsequenzen für die Textur globaler Beziehungen.
 
Der Ausstellungsraum gleicht einer Dunkelkammer, in der die Objekte der Installation nur durch das künstliche Licht rosafarbener LED Pflanzen-Wachstumslampen beleuchtet werden. In dem düsteren Raum der Ausstellung erscheinen Nutzpflanzen bzw. bestimmte Funktionen illustrierende fleischfressende Pflanzen, welche verschiedene Aspekte des Überlebens, der Verletzbarkeit, Ausgeliefertseins und die Chancen des Überdauerns analysieren. Die Nutzpflanzen verweisen auf das Symbolsystem im Zusammenhang mit der nährenden Erde und lenken die Aufmerksamkeit in Bezug auf Semmelweis auf die eigentümliche Situation, dass die Vorbeugung des Kinderbettfiebers und die Senkung der Sterberate konsekquenterweise zur Überbevölkerung der Erde beigetragen haben.  
 
Im Werkensemble erscheinen symbolische Formen der Wissensbewahrung, auf welche die günstigen, käuflichen, aber dekonstruierten Bücherregale verweisen. Diese erscheinen so als Teil eines neu interpretierten, modularen Systems. Die Wellenlänge des durch die Lampen ausgestrahlten Lichts entspricht der Energie des Pflanzenwachstum fördernden Sonnenlichts. Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Installation ist die Geräuschekulisse, die den Ausstellungsraum einnimmt und durch die Vibration der Installationselemente hervorgerufen werden. 
 
Ádám Albert ist Bildender Künstler und Dozent an der Universität der Künste in Ungarn. In Folge zahlreicher Ausstellungen wurde er mehrfach für seine Arbeit ausgezeichnet, beispielsweise mit dem für Künstler aus Mitteleuropa ausgeschriebenen Essl Preis (2007) und dem Leopold Bloom Award (2015). Der Großteil seiner Werke sind thematische Installationsprojekte, die im Kontext sozialer, kultureller, historischer, politischer und ökonomischer Kritik zu verorten sind. Sie basieren klar erkennbar auf wissenschaftsgeschichtlichen Forschungen und sehen Kunst als Teil sozio-historischer Prozesse.
Die Wahrheit des Gärtners ist Teil des CHB Residenzenprogrammes und des Semmelweis 200 Gedenkprojekts.
 
 
Felix Mathias Ott: Piano Piece 
 
Foto: Giorgia Palmisano
 
Piano Piece ist eine Performance, die ein Klavier und einen Körper in einem Duett miteinander verflechtet. Am Anfang der Recherche stand eine jahrzehntelang unbeachtet gebliebene Tonbandaufnahme, die zufällig im Nachlass des Dadaisten Richard Huelsenbeck entdeckt wurde: Zu hören ist, wie der Künstler Rafael Montañez Ortiz ein Piano mit einer Axt zertrümmert. In seinem Duett lässt sich Felix M. Ott von einem Klavier bewegen. Durch das Verschieben und Auseinanderlegen des Instrumentes werden die Möglichkeiten dieser Beziehung zueinander getestet und deren Grenzen ausgelotet. Zwischen inniger Konfrontation und beängstigenden Umarmungen entstehen Bild- und Klangwelten, die das Innenleben beider offenlegen. Ein musikalischer Abend auf bewegende Weise.
 
Im April 2018 präsentierte Felix M. Ott die erste Phase seiner Recherche bei Montag Modus und passte das Stück an die spezifischen räumlichen Gegebenheiten des CHB an. Im Oktober 2018 untersucht er in seiner zweiten Residency bei Montag Modus die Beziehung des menschlichen Körpers zum Raum in einer anderen ortsspezifischen Weise.
 
Konzept, Choreografie, Performance: Felix Ott | Technik: Zoltán Demeter, Martin Pilz | Eine Produktion der Company F.M.O, gefördert durch apap – Performing Europe 2020, kofinanziert durch das Creative Europe Programme der Europäischen Union und Archivo Conz. Unterstützt durch das Collegium Hungaricum Berlin.
 
Felix Mathias Ott arbeitet hauptsächlich als Choreograph auf dem Gebiet der zeitgenössischen Performancekunst in Berlin. Seit seinem Studium in Bühnendesign, Zeitgenössischem Tanz, Kontext und Choreographie am HZT Berlin, ist er als Bühnendesigner, Videoartist, Interpret (Tanz/Schauspiel), Autor und Choreograph rund um die Welt tätig. Felix‘ Arbeiten schaffen reflexive, konzeptuelle Räume, in denen der Zuschauer eingeladen wird, in die Welt des Unterbewusstseins einzutauchen. Sie fordern außerdem eine gewisse persönliche Kreativität, um die einzelnen Fragmente der surrealistischen Handschrift des Künstlers zu einem Ganzen zusammenzusetzen.
 
Kinga Tóth und Antoni Rayzhekov: Neuhaut
 
 
 
„In meinem Mund ist ihr Dach wie ein kleiner weißer Kegel mit Flüssigkeit, ich spiele mit meinen Zähnen damit. Ich nage ein Loch, der Saft fließt heraus, es ist kalt darin. Wie die Flüssigkeit einer Wunde, der Geschmack von Jauche und Eiterblase. Nach dem Biss liegt die Haut offen, reißt ab, wird breit und die Deckschicht gelb. Die kann nicht mehr herausgebissen werden. Die größte Stelle ist so groß wie ein fünfziger, dann überträgt es sich in den anderen Teil, über die Zähne hin zur anderen Seite. Unter der Zunge, an der Sehne, gelbe Flecken und kleine weiße Tupfen. Ich werde eine neue Schleimhaut bekommen, nur der Strohhalm kann in meinen Mund hinein. Damit ziehe ich den Joghurt, das Wasser, den Tomatensaft. Tomaten sind entzündungsstillend, das Salz zieht den Schleim zusammen. Die Biopsie wird über dessen Herkunft erzählen, sie schneiden kleine Proben ins Fläschchen. Eine Weiße, eine Gelbe, das Ergebnis ist unbekannt. Die Konsistenz der neuen Haut ist unbekannt.”
 
aus: Kinga Tóth: Mondgesichter,Magvető Verlag 2017.
 
Neuhaut ist eine audiovisuelle Dialoginstallation, die auf dem Text „HAUT” aus dem Roman „Mondgesichter” (Magvető Verlag, 2017) der ungarischen visuellen Künstlerin und Klangdichterin Kinga Tóth basiert. Die Konturen und Geräusche des Textes bilden zusammen mit der menschlichen Stimme die primären Materialien innerhalb der digitalen Live-Komposition des bulgarischen Theaterregisseurs, Choreographs und Klangkünstlers, Antoni Rayzhekov. Der Textorganismus bekommt die Neuhaut von einer Biomaschine, der heterotopische Raum wird zur hybriden Realität des Privaten.
 
Neuhaut wurde als Teil des Residenzenprogramms von Akademie Schloss Solitude in 2017 verwirklicht. 
 
Zsuzsa Rózsavölgyi: Der Garten des Drachen / Work-in-progress
 
 
Die Arbeit Der Garten des Drachen untersucht mögliche Zukunftsszenarien, die Menschen von Morgen sowie deren Umwelt. Grundlegenden Stoff sowie Referenzpunkte für die Untersuchung bilden Joanna Macy´s theoretische Abhandlungen zur „Tiefenökologie“ und zum „ökologischen Selbst“. 
 
Für das Stück haben Rózsavölgyi und ihre Mitwirkenden verschiedene historische Ereignisse analysiert, bei denen sich neue oder alternative Informationen enthüllten, die ihrerseits wiederum die Selbstwahrnehmung der Menschheit veränderten. Die Künstlerinnen untersuchen die diesen Prozessen zugrundeliegenden Spannungen und machen es sich zur Aufgabe selbstzerstörerische Tendenzen, die zeitgenössischen Gesellschaften innewohnen zu enttarnen, indem sie die persönliche, humane und ökologische Identität des Selbst neu deuten, um zu überleben. Den Fußstapfen von Joanna Macy folgend, bietet die zweiwöchige Residenz bei Montag Modus Möglichkeit zur Erforschung des allgegenwärtigen Wandels von Menschen, lebendigen Organismen und Natur in Ressourcen und Kapital.
 
Das Stück Der Garten des Drachen bestrebt unsere Konzepte von Menschheit und Natur sowie deren Wechselwirkungen zu hinterfragen.
 
Konzept: Zsuzsa Rózsavölgyi
Performance: Blanka Flóra Csasznyi, Britt Kamper, Alexandra Rab, Zsuzsa Rózsavölgyi
 
Zsuzsa Rózsavölgyi ist Tänzerin und Choreographin. Nach ihrem Studium an der Budapester Akademie für zeitgenössischen Tanz, der Salzburg Experimental Academy of Dance und der Tanzakademie P.A.R.T.S., arbeitete sie 5 Jahre lang mit Anne Teresa De Keersmaeker als Mitglied des Rosas Tanzensembles. In ihren Arbeiten liegt der Schwerpunkt auf der Zusammenarbeit zwischen Tänzern, Musikern, Bildenden Künstlern und Programmierern. Derzeit forscht sie an der Tanzakademie Budapest die Tanzpädagogische Bedeutung von Faszien. Außerdem beschäftigt sie sich mit den Schnittpunkten von Wissenschaft und darstellender Kunst an der Akademie der Bildenden Künste in Wien.
 

 

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