mit
Isabel Lewis: Tea Room
Julian Weber: Plateau
Vadas-Tóth-Gryllus: Sleeping Beauty | *Anmeldung erforderlich
Jasna L. Vinovrški  und Christina Ciupke: Working on Now and Then
 
Am Montag, den 5. Februar um 20:00 startet das Collegium Hungaricum Berlin das neue Jahr mit der nächsten Edition der Montag Modus Performance-Serie. Unter dem Titel „consciousness alert“ sind im CHB diesmal Künstler mit Performances und weiteren Experimenten zu Gast, die die Teilnahme des Publikums erfordern, darunter Isabel Lewis, Julian Weber, Jasna Vinovrški, Christina Ciupke, Ábris Gryllus, Márton Emil Tóth und Tamara Zsófia Vadas. 
 
Foto: Noémi Adrienne Juhász
 
Mit dem erstem Montag Modus 2018 rufen wir einen Bewusstseinsalarm aus: die Performance-Reihe „consciousness alert” lädt zur Schärfung des Bewusstseins ein. Die Teilnehmenden können in den thematisch unterschiedlichen Performances, der Raumnutzung oder der Erfahrung von Zwischenräumen verschiedener Formate damit experimentieren, Grenzregionen zu erkunden. Die Gastfreundschaft, die Geste der Einladung, die die aktive und gegenseitige Zusammenarbeit zweier Parteien voraussetzt, kehrt im Laufe des Abends in den unterschiedlichsten Formaten immer wieder zurück – es ist die subjektive Entscheidung der Gäste, wie weit sie sich darauf einlassen wollen. Diese Idee manifestiert sich im Laufe des Abends in einer urbanen Teezeremonie, einem Traum-Experiment, in der subjektiven Lesart zum Anfang des unabhängigen Tanzes und einer laufenden Tour über ein Plateau.
 
***Der Eintritt ist frei.***
 
Montag Modus ist eine zweimonatlich stattfindende Veranstaltungsreihe des CHB, die die verschiedenen Aspekte performativer Kunst untersucht und besonders die Schnittstelle zwischen Bildender Kunst, Tanz, Theorie und Musik, sowie die Ganzheitlichkeit des Verhältnisses zwischen Zuschauer und Kunstwerk in den Fokus nimmt.
Kuratiert von Lena Szirmay-Kalos
 
 
Programm 05.02.2018, 20-23h
 
Isabel Lewis: Tea Room
 
Foto: Alexander Coggin
 
In der Arbeit “Tea Room” führt Lewis durch die Schaffung einer zeitgenössischen urbanen Teezeremonie ihre Erforschung von diversen historischen und kulturellen Formen der Gastfreundschaft weiter. Um Intimität zu schaffen, werden während ihres Besuches zeitgleich 13 Gäste eingeladen, sich zunächst hauptsächlich durch die Aktivierung ihrer Sinne einer ästhetischen Betrachtung anzunähern.
Beeinflusst durch ihre fundierten Kenntnisse über die traditionelle chinesische Teekultur, lädt Lewis zu einer zwanzigminütigen Aktivierung der Sinne ein, bei der speziell die Geruchs- und Geschmackssinne genutzt werden, um einen weitreichenden Sinn für die Präsenz innerhalb des Momentes, der Zeit und des Ortes, anzusprechen.
Ausgehend von der Theorie, dass sowohl der Sinn für den Geschmack, als auch für Gerüche in gewisse  soziokulturelle und symbolische Systeme verankert ist, welche die Reaktion der Sinnesreize eines Individuums auf auschlaggebende Weise bestimmen und beeinflussen, strebt Lewis nach dem Verständnis eines neuen ästhetischen Subjekts, welches sich innerhalb der Welt manifestiert. Damit grenzt sie sich von der kantischen Auffassung ab, nach der das transzendentale Subjekt seine Erfahrungen ausschließlich durch einen externen, streng objektiven Blick wahrnimmt.
 
Isabel Lewis ist Künstlerin dominikanisch-amerikanischer Herkunft und lebt seit 2009 in Berlin. Durch ihre Ausbildung im Bereich Literaturkritik, Tanz und Philosophie arbeitet Lewis mit vielfältigen Formaten, wie den sogenannten „ausgerichteten Ereignissen“, welche als immersive Erfahrungen in Assemblagen aus Tanz, Sound, Gerüchen, Bewegung und Dekor in heterotopischen Räumen sozialer Treffpunkte konstituiert sind. Den hauptsächlichen Fokus richtet sie dabei auf den Menschen in seinem Alltag. In ihren Arbeiten fließen Sinnlichkeit und Reflexion in persönliche Rituale, wobei sie immer auch Bereiche des Banalen und Individuellen mit einbezieht.
Lewis‘ Arbeiten wurden in einem internationalen Spektrum von Theatern, Musikfestivals und Institutionen der zeitgenössischen Kunst präsentiert, wie beispielsweise im HAU 1 in Berlin, der  Kunsthalle Basel, dem Steirischen Herbst in Wien, dem Tate Modern in London, der Dia Foundation in New York und dem Ming Contemporary Art Museum in Shanghai.
 
Julian Weber: Plateau | work in progress
 
Auf einem abstrakten Plateau konfrontieren 3 Bergsteiger*innen den Autoerotismus mit Prinzipien, die der Minimal Art Bewegung entlehnt sind. In dieser Berglandschaft erlauben die Stacheln der Steigeisen den Performancekünstlern, tiefer in das Material einzudringen und mit inneren wie äußeren Kräften zu spielen. Ungezähmte Bemühungen produzieren durch Tänze der Selbstbefriedigung neue Chakren, in denen Extremitäten, Genitalien und Zeit expandiert werden. Gleichzeitig konstruieren die Körper schwebende Architekturen, die auf einem formalen kompositorischen Ansatz basieren. Diese Formalität und die Depersonalisierung des Minimalismus kollidieren mit dem salzigen Schweiß der Haut suchender Körper. Durch Zirkulation und Wellen bringen die Performer den Archetyp der Schlange, die ständig zwischen weise, glücksbringend und tückisch todbringend changiert, in Höhenlagen.
 
Choreographie/Objekte: Julian Weber
Performer: Jos McKain, Jeanne Sardou
 
Julian Weber ist Choreograph, Tänzer und visueller Künstler.  Sein künstlerisches Interesse richtet sich vor allem auf die Interaktion zwischen Körper, Material und Bewegung. In den vergangenen Jahren nahm er an diversen Gruppen-Ausstellungen teil, residierte zeitgleich an verschiedenen Orten im Ausland und entwickelte Performances und eigene Ausstellungen. Er arbeitete bereits mit Meg Stuart, Boris Charmatz und Tino Sehgal und fertigt seine Arbeiten bevorzugt an der Schnittstelle zwischen Performancekunst und visueller Kunst an.
 
Vadas-Tóth-Gryllus: Sleeping Beauty
Foto: Gábor Dusa
 
Das Sleeping Beauty Project lenkt die Aufmerksamkeit des Zuschauers auf den Übergang von innerer Gedankenwelt und Realität. Dabei kann das Erleben und Erfahren der eigenen visuellen Performance jedoch erst durch das Aufeinandertreffen der Zuschauer und ihr miteinander in Beziehung treten zustande kommen. Ausgangspunkt des Sleeping Beauty Projects ist das Märchen „Dornröschen“ mit den drei Hauptthemen: Tod, Märchen und Alltag. Der Zuschauer wird zum Teilnehmer eines Ereignisses, dessen Ergebnis er gegebenenfalls auch selber bestimmen kann.
Ziel der Tanzperformance ist es, ein Ereignis zu schaffen, welches eine Verbindung zwischen den verschiedenen Möglichkeiten der bildenden Kunst, einer gemeinschaftlichen Aktivität, eines Workshops, des Theaters, des Happenings darstellt. Die Gestalter gehen von der Thematisierung natürlicher alltäglicher Erscheinungen aus und entfalten diese auf komplexere Weisen, sodass wir uns in bestimmten Situationen letztendlich selbst wiederfinden: im alltäglichen Leben, in Momenten der Ruhe, dem Traum, dem Tod, den Sphären der Identität.
Als Spiel beziehungsweise Choreographie entwickelt sich die Performance in einem leeren Raum, in dem die Zuschauer lediglich durch eine Stimme gelenkt und so zu verschiedenen Aktivitäten angetrieben werden. Demzufolge werden sie von Zeit zu Zeit auch zu gegenseitigen Beobachern. 
Diese Interaktion handelt nicht von einer ans Unangenehme grenzende Integration des Publikums, sondern einer aktiven Präsenz, dem Öffnen der inneren Gedankenwelt, in der Traum, Wachheit, Realität und die Choreographie des spekulativen Phantasierens  so zusammenspielen, dass sich letztendlich jeder einzelne Teilnehmer in der selben gemeinsamen Situation wiederfindet.
 
Gestalter: Ábris Gryllus, Emil Tóth Márton, Zsófia Tamara Vadas
Text: Márió Nemes Z.
Produzent: Sín Kulturzentrum
 
*An dem Sleeping Beauty Project kann nur eine begrenzte Anzahl der Zuschauer teilnehmen. Hierzu ist eine zuvorige Anmeldung unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! erforderlich.
 
Sleeping Beauty ist die erstmalige Zusammenarbeit zwischen der Choreographin Tamara Zsófia Vadas, Soundkünstler Ábris Gryllus und dem visuellen Künstler Márton Emil Tóth.
 
Zsófia Tamara Vadas ist Tänzerin und Choreographin. Bisher war sie in diversen Produktionen des Tünet Ensebles und Adrienn Hóds, beziehungsweise weiteren Produktionen von Hodworks zu sehen. Prägend für ihre eigenen Arbeiten ist die Auffassung eines kollektiven Schaffensprozesses. Dem Trio Dányi-Molnár-Vadas Trios wurde 2014 der Lábán-Preis für das Stück „SkinMe“ verliehen.
 
Márton Emil Tóth lebt als visueller Künstler in Budapest. Seine Experimente handeln davon, die Welt, die uns umgibt, besser zu verstehen. Durch verschiedene Themen der Kindheit, Utopie und Dystopie, Science Fiction und Transzendenz sind seine Arbeiten durch die Verwendung alltäglicher Dinge und der Reproduktion gewöhnlicher Dinge charakterisiert.
 
Ábris Gryllus ist Mediendesigner und Musiker. Sein Studium absolvierte er an der Budapester Universität Moholy-Nagy für Kunsthandwerk und Gestaltung in dem Fach Media Design. Seine Arbeiten und Soundinstallationen präsentierte er unter anderem auf dem Soundscapes Festival 2014, der Biennale in Venedig 2015, wie auch der Budapester OFF Biennale 2015. Im Frühling 2013 war er mit der Installation Syntonyms im CHB zu Gast.
 
Jasna L. Vinovrški  and Christina Ciupke: Working on Now and Then | work-in-progress
Foto: Diego Agullo
 
In Working on Now and Then unternehmen Christina Ciupke and Jasna Vinovrški eine Reise zurück in die Vergangenheit, zurück zu den Anfängen des unabhängigen Tanzes. Sie betrachten den Moment in der Geschichte, als der Tanz sich das erste Mal von Institutionen emanzipierte. Diese Arbeit beschäftigt sich auch mit Überlieferungslücken und fehlenden Informationen im historischen Kontext der jeweiligen Zeit. Diese Räume füllen sie mit der Vorstellung des Geistes, der damals existiert haben könnte. Hierbei beziehen sie auch ihre bisherigen Arbeiten in den gemeinschaftlichen Prozess mit ein. Sie erforschen ihre eigene choreographische Vergangenheit, um Unterschiede zwischen den jeweiligen Wahrnehmungen festzustellen.
 
Choreographen: Christina Ciupke, Jasna L. Vinovrški
Unterstützer: Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa, apap-Performing Europe 2020
Produzenten: A lot of body GbR & Tanzfabrik Berlin
 
Christina Ciupke lebt als Performancekünstlerin, Choreographin und Partnerin der Tanzfabrik in Berlin. Ihre Arbeiten involvieren Projekte in Zusammenarbeit mit Tänzern und Künstlern anderer Disziplinen, mit denen sie in In- und Ausland auf Tour sind. Zusammen schaffen sie Räume und Situationen, in denen räumliche Verhältnisse, Intimität und die Gemeinschaft als Betrachter und Performer wiederholt erforscht werden. Seit 2016 ist Christina Ciupke teilnehmende Künstlerin der European apap - advancing performing arts project network.
 
Jasna L. Vinovrski wuchs in Zagreb, Kroatien auf, lebt jedoch seit dem Zerfall Jugoslawiens im Ausland. Nach ihrem Abschluss als Tänzerin arbeitete sie 12 Jahre lang als Performerin mit zahlreichen europäischen Choreographen (Groupe Dunes, J. Schlömer, C. Sagna, O. Duboc) zusammen. Während dieser Zeit schuf auch sie ihre ersten Choreographien, von denen das Solo „Which Club?“ mehrfach ausgezeichnet worden ist. Nach dem Umzug nach Berlin im Jahr 2008, gründete sie zusammen mit ihrem Partner Clement Layes das Ensemble Public in Private, in dem sie ihre eigenen choreographischen Stile in naher gegenseitiger Unterstützung ständig weiterentwickeln. Ihre momentane Arbeit „Staying alive“ tourte durch ganz Europa und wurde  2017 auch in New York gezeigt.