Es ist inzwischen schon seit drei Jahren Tradition, dass Ungarn in einem herausragenden, durchdachten architektonischen Umfeld auf der Leipziger Buchmesse präsent ist. Eingeleitet wurde dieser Wandel mit dem Stand aus dem Jahr 2016, einem Entwurf des Budapester Architekturbüros Sporaarchitects. Diesem folgte 2017 der von der Designer-Gruppe Lead82 unter der Leitung von Péter Zalán Salát konziperte und mit dem German Design Award Gold ausgezeichnete Messe-Auftritt. 

 
2018 wurde der Architekt Levente Szabó, Geschäftsführer des Architekturbüros Hetedik Műterem, zusammen mit seinen Kollegen, dem Architekten Balázs Biri und Grafiker Ákos Polgárdi, mit der Konzeption des Messestands beauftragt. Das Kollektiv arbeitete bereits in Projekten zusammen wie beispielsweise dem Denkmal zum 2. Weltkrieg an der ELTE oder der temporären Installation Reformáció500 zum Gedenkjahr der Reformation auf dem Budapester Kálvin Platz. 

Vorläufiger Entwurf zum Messestand. Foto: Hetedik Műterem

„- kommen sie und spielen sie auf ihrer geige, dann kann uns nichts passieren!” — Zitat aus dem Brief von Walter Gropius an Andor Weininger, 1925  

Die Konzeption des ungarischen Standes definiert einen individuellen Leseraum, der geprägt ist von einer starken Atmosphäre und Erlebnishaftigkeit. Der ungarische Pavillon spiegelt die Ideen des Bauhauses im Vorjahr seines 100. Gründungsjubiläums nicht direkt oder auf einer formalen Ebene. Er greift sie vielmehr in einer indirekten Weise auf, indem er den Gedanken des „Gesamtkunstwerkes“ wiederbelebt. Die Buchausstellung zur Leipziger Buchmesse 2018 wird in einem von einem 7 Meter langen, weißen, durchsichtigen Stoffbahnen umrandeten und mit Teppichen ausgelegten Raum auf individuellen Möbelstücken und in einer besonderen, für diesen Anlass entworfenen Lichtkonzeption präsentiert. 
 
Das Bauhaus bildet nicht nur hinsichtlich der zeitgenössischen Innenarchitektur einen offensichtlichen Referenzpunkt für den Stand. In seiner Konzeption ist der Stand darüber hinaus auch im Stoffgebrauch an das Bauhaus angelehnt. Als Inspiration dienten hier Vorbilder wie beispielsweise das „Café Samt & Seide“ von Ludwig Mies van der Rohe und Lilly Reich aus dem Jahr 1927. Die vereinende Präsentation der verschiedenen Künste sowie ihrer Wechselwirkungen gelten ebenso als eine Besonderheit des Bauhauses wie der erhebend intensive Kontakt und Austausch mit der ungarischen Kunstszene.  

Vorläufiger Entwurf zum Messestand. Foto: Hetedik Műterem 
 
Auf diesen Umstand verweist das Zitat von Walter Gropius aus seinem Brief an Andor Weininger, das dem vorliegenden Konzept als Motto diente. In diesem in vertrautem Ton verfassten Brief aus dem Jahr 1925 lädt der Begründer des Bauhauses den ehemaligen Studenten aus Ungarn dazu ein, an das mittlerweile nach Dessau übergesiedelte Bauhaus zurückzukehren und weiter am künstlerischen Leben der Schule mitzuwirken. Der Brief ist zusammen mit dem zitierten Schlusssatz an der Längsseite des Standes zu lesen und symbolisiert die internationale Strömung des Bauhauses und die engen, symbiotischen Beziehungen zu den ungarischen Vertretern.
 
Die im Stand verwendete Typographie wurde von Ádám Katyi entworfen und stammt aus der Buchstabenfamilie Moholy, der Schriftart des László Moholy-Nagy Design Stipendiums, der von Experimenten mit den geometrischen Grundformen des Bauhauses inspiriert ist und damit auf die Tradition eines weiteren bedeutenden ungarischen Bauhaus Vertreters zurückgreift.
 
Axonometrische Darstellung des Standes. Foto: Hetedik Műterem
 
Die Bauausführung der Messestand-Konzeption von Levente Szabó, Balázs Biri und Grafiker Ákos Polgárdi vom Architekturbüro Hetedik Műterem übernimmt die Firma TorTer e-Design.Mitarbeiterin: Anna Breuer. Lichtkonzeption: Ferenc Haász.Beleuchtung: András Jánosi (Lumoconcept). Beratung: Emese Benczúr. Schriftart: Mohol, Ádám Katyi, durch freundliche Unterstützung und Bereitstellung des Hungarian Design Councils. 
 
Ungarns Teilnahme auf der Leipziger Buchmesse 2018 wird durch das Publishing Hungary Programm und das Ungarische Ministerium für Auswärtiges und Außenhandel gefördert und durch das Balassi Institut - Collegium Hungaricum Berlin organisiert.